Volker Dürr, München - Schwabing:
Diplom-Psychologe, Heilpraktiker, Coach, Atemtherapeut
Trancearbeit und Hypnose
Themenübersicht:
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- Wissenswertes für die Praxis
- Ursprünge und Potential der Hypnose
- Die therapeutische Hypnose
- Die Alltäglichkeit von Trance
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1. Wissenswertes für die Praxis
Mit Hilfe der Hypnose können Bereiche der
psychischen Wirklichkeit erreicht werden, die sonst nur sehr schwer oder gar
nicht zugänglich sind. So ist es zum Beispiel möglich, auch an Informationen
zu kommen, die schon im Augenblick der Wahrnehmung gänzlich unbewusst
geblieben sind (unbewusste, instinktive oder auch telepathische
Wahrnehmung). Manchmal lassen sich so auch die Hintergründe für körperliche
Krankheiten klären, die sich der medizinischen Diagnostik entziehen. Aber
auch die zugrunde liegende Dynamik psychischer Konflikte bleibt gelegentlich
gegenüber einer noch so sorgfältigen und professionellen Psychotherapie
verschlossen. Ebenso können soziale Probleme wie permanente Konflikte mit
bestimmten Personen oder berufliche Blockaden ihre Wurzeln in Bereichen
haben, die nur schwer oder gar nicht mit dem Licht des Bewusstsein erhellt
werden können. Erstaunlicherweise kann dieses erweiterte Wissen des
Unbewussten sogar Vorgänge erfassen, die in früheren Generationen abgelaufen
sind und die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.
Das Unbewusste verfügt jedoch nicht nur über
ein erstaunliches Wissen über Ursachen von Konflikten, Störungen und
Krankheiten. Es hat andererseits auch einen reichen Schatz an Heilungswissen
und Heilungsenergien. Diese können mit Hilfe der Hypnose für die
Wiederherstellung von Gesundheit und Lebensglück angesprochen und oft
fruchtbar gemacht werden.
Meine ersten Erfahrungen mit Hypnose und
Trance habe ich schon zur Zeit meines Psychologiestudiums in den 70er Jahren
des letzten Jahrhunderts gemacht und seither viele Trancereisen als
Reisender wie als Reiseleiter durchgeführt. So habe ich aus Interesse,
Neugierde und auch aus meiner professionellen Grundhaltung heraus mein
Wissen über die Techniken der Hypnose und Trance mit vielen Weiterbildungen
bei diversen Ausbildern aus den verschiedensten Schulen erweitert und
vertieft. Hypnosebehandlungen führe ich heute im Rahmen meiner
psychotherapeutischen Praxis einmal in Einzelsitzungen durch und zum zweiten
auch in Form von Gruppensitzungen über das Wochenende und bis zu
10-Tage-Dauer durch (siehe dazu auch meine Ausführungen zur
Atemtherapie und
"Reise nach Mittelerde").
2. Ursprünge und Potential der Hypnose
Trance gehört zu den ältesten Techniken der
Menschheit, Kontakt mit Energien und Informationen jenseits des normalen
Tagesbewusstseins zu bekommen. Wichtige Trancetechniken waren und sind:
Tanzen, Musik, Fasten, Hypnose oder auch psychoaktive Substanzen. Viele
Initiationsriten setzen zur Erreichung von Tiefentrancen auch maximalen
Psychostress ein, um außerordentliche Kräfte (d.h. Kräfte außerhalb der
üblichen Ordnung) zu aktivieren. Dabei wird manchmal sogar ganz konkrete
Lebensgefahr billigend in Kauf genommen (siehe auch das autobiographische
Buch von Malidoma Somé: "Vom Geist Afrikas – Das Leben eines afrikanischen
Schamanen", Diederichs-Verlag).
Und: Schon immer erschien diese unbekannte
Welt jenseits des Tagesbewusstseins ganz besonders faszinierend. War doch
offensichtlich, dass der Mensch und sein Leben in vielerlei Hinsicht
Einflüssen unterlag, die zwar deutlich wahrnehmbar, aber mit der normalen
Wahrnehmung, mit Verstand, Vernunft und dem normalen Denken nicht
kontrollierbar und auch oft nicht beeinflussbar waren. Was sind das für
Energien und Einflüsse? Woher kommen sie? Wer oder was steht dahinter? Sind
wir fremden Mächten ausgeliefert? Sind diese gut oder böse? Wie können wir
mit diesen Kräften Kontakt aufnehmen? Können wir sie vielleicht sogar für
unsere Interessen und Wohlbefinden nutzen, sie uns vielleicht sogar
dienstbar machen? Wie weit können diese Ebenen therapeutisch nutzbar
gemacht werden?
Diese Fragen haben die Menschen auf die
Suche nach Mittel und Wegen getrieben, sich nach plausiblen Antworten und
Erklärungen umzuschauen und vor allem auch Rituale und Techniken zu finden,
mit denen echter oder vermeintlicher Einfluss auf diese dunkle Welt jenseits
des Alltags genommen werden kann. Ein beliebter und seit Urzeiten
beschrittener Weg in diese "Anderwelt" ist die Trance und die Hypnose.
Trance und Hypnose haben in manchen Kulturen
sogar staatstragende Bedeutung. Bekannt ist zum Beispiel aus dem alten
Griechenland, dass große gesellschaftlich und politische Entscheidung
häufig erst nach Befragung des Orakels getroffen wurden. Solche
Vorgehensweisen lassen sich bis in die Gegenwart beobachten. Wusste doch die
weltliche und religiöse Führung Tibets schon viele Jahrzehnte vom
bevorstehenden Einmarsch der Chinesen, bevor dieses Drama dann tatsächlich
stattfand. Der tibetische Buddhismus hatte bei seiner Einführung in Tibet
eine innige Verbindung mit der dort früher herrschenden Bön-Religion
eingegangen, die als schamanistische Religion über ein reiches Wissen und
jahrtausende alte Erfahrungen mit Trancezuständen verfügte. Dieses Wissen
wurde bis in die heutige Zeit erhalten.
3. Die therapeutische Hypnose
Weniger bekannt als die ebenso beliebten wie
fragwürdigen Hypnoseshows auf der Bühne ist die Tatsache, dass Hypnose und
Trance direkt als therapeutisches Medium eingesetzt werden können. Die
schamanistische Hypnose und Trance wird auf 30- bis 80-tausend Jahre alt
eingeschätzt, eben so alt wie die Urform aller Religionen, der Schamanismus
selbst. Die Forschung im Rahmen der westlichen Wissenschaften reicht bis in
die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Sigmund Freud z.B. ist über
die Ausbildung und Erfahrungen mit Hypnose zu seinen Forschungen und
Erkenntnissen über das Unbewusste des Menschen gekommen. Ein Großmeister
der therapeutischen Hypnose und Trance im 20. Jahrhundert war der Amerikaner
Milton Erickson (ein wunderbares Buch über seine Arbeit ist von Jeffrey
Zeig: "Meine Stimme begleitet Sie überall hin!"). Erickson hat ganz
besonders deutlich werden lassen, dass die therapeutische Hypnose und
Trance wenig gemeinsam hat mit der Bühnenhypnose. Während letztere darauf
aus ist, möglichst spektakuläre Effekte vorzuführen und oft genug auch die
Tricks der Bühnenmagier zur Fesselung des Publikums mit einbezieht, hat die
therapeutische Hypnose und Trance andere Ziele und Vorgehensweisen.
Ein Trancezustand ist nach Erickson jede
Form des Bewusstseins, bei der eine Einengung des Aufmerksamkeitsfeldes
beobachtbar ist. Damit finden wir Trancezustände auch im ganz gewöhnlichen
Alltag. Hier können wir die Trance manchmal als hilfreich, manchmal auch als
hochproblematisch erleben.
Manchmal können wir den Hintergrund für eine
neurotische Störung direkt auch als eine Art "Problemtrance" erkennen; ein
Beispiel: Eine Klient, der etwa 21-jährig zu mir kam, litt unter einer
solchen Problemtrance: Er war schon mehrfach als Exhibitionist aufgetreten
und dabei polizeilich erfasst worden. Er behauptete (mir gegenüber
glaubhaft), an das eigentliche Ereignis keine Erinnerung zu haben und oft
erst im Augenblick der Festnahme wieder zu Bewusstsein zu kommen. Das
bedeutet also, dass er in einer Art Tiefentrance handelte und von daher
betrachtet eigentlich juristisch gar nicht schuldfähig war. Dies wurde
allerdings von seinem juristischen Vertreter, seinem Verteidiger nicht
erkannt, denn dieser hatte keine psychologische Vorbildung. Da das Ganze
sich im tiefkatholischen Niederbayern abspielte, war ihm eine gerichtliche
Verurteilung für dieses Verhalten sicher. Als "Wiederholungstäter" wurde er
nach der vierten Verurteilung dringend aufgefordert, sich in
psychotherapeutische Behandlung zu begeben, ansonsten bekäme er eine
Haftstrafe. Nach den einführenden Gesprächen schickte ich ihn auf die "Reise
in die innere Wirklichkeit". Dort begegnete er den bis in die frühe Kindheit
reichenden Ursachen für sein Problemverhalten in bildhafter Form und setzte
sich damit in weitestgehend selbständiger Form auseinander. Die Therapie
konnte nach cirka 40 Sitzungen als erfolgreich abgeschlossen werden.
4. Die Alltäglichkeit von Trance
Wenn wir die von Milton Erickson so
vorgenommene Definition von Trance als eine Einengung des
Aufmerksamkeitsfeldes akzeptieren, so wird schnell deutlich, dass unser
Alltag von diversen Trancezuständen durchzogen ist. Eine Form von Trance
können wir z.B. so gut wie immer beim Führen eines Kraftfahrzeugs
beobachten; ganz besonders bei hohen Geschwindigkeiten muss die
Aufmerksamkeit hochkonzentriert sein, es entsteht eine Art "Tunnelblick",
der alles Unwichtige ausblendet und damit eine starke Einengung des
Aufmerksamkeitsfeldes bewirkt. Jede Form von intensiverem Stress (sowohl
Eu-Stress als auch Di-Stress) lässt Trancezustände entstehen. Alle intensiven
Gefühle – positive wie negative – können Trance auslösen. Einige Beispiele
für positiv erlebte und möglicherweise tranceauslösende Gefühle sind: Liebe
und Verliebtsein, starke Bewunderung, Freude/Euphorie, Faszination durch die
Schönheit der Natur usw. Negative Beispiele sind: Angst/Panik, Hass,
Wut/Jähzorn aber auch jede Form von Süchten wie Eifersucht, Beifallsucht,
Habsucht, Sehnsucht usw. Oft bemerken die betroffenen Menschen ihre Trance
gar nicht. Der Volksmund weiß um diese Zusammenhänge und hat Redewendungen,
die auf solche Trancezustände hinweisen: "Liebe macht blind!" oder: "Den hat
der Teufel geritten!"
Sie sehen also: Jeder Mensch hat täglich
seine mehr oder weniger ausgeprägten Trancen. Wenn wir noch ein Stück
weiterdenken, können wir uns sogar vorstellen, dass die Art und Weise wie
ein Mensch die Welt erlebt, das Ergebnis einer lebenslangen Trance ist. So
bekommen wir doch von klein auf beigebracht, was "Gut" und "Böse", was
"Schön" und "Hässlich" ist. Wir verstehen uns mit Menschen besonders gut,
die eine sehr ähnliche Trance gelernt haben und umgekehrt haben wir
Probleme, wenn Menschen in entscheidenden Punkten von unserer Sichtweise
abweichen. Wir müssen dann hart darum kämpfen, wer denn wohl nun recht hat.
Doch gibt es das überhaupt: "Die einzig wirklich wahre Wahrheit"? Hat nicht
jeder Mensch das Recht, die Wirklichkeit auf seine Weise zu sehen? Ein
Künstler sieht die Welt anders als ein Bankier oder ein Automechaniker oder
ein Sportler oder ein Arzt oder ein Indianer oder ein Tibeter oder ein
Eskimo oder eine Heckenrose oder ein Löwenzahn oder eine Gazelle oder ein
Leopard oder . . . Und wie ist es mit dem großen Unterschied zwischen der
Erlebnisweise einer Frau und der eines Mannes? (siehe zu diesem Thema auch
das informative und amüsant geschriebene Buch: "Männer sind anders – Frauen
auch" von John Gray) Wer sieht die Wirklichkeit nun richtiger? Die Frau oder
der Mann? Welche (Gewohnheits-) Trance liegt näher an der letzten Wahrheit?
Gibt es überhaupt ein Leben ohne Trance? Was ist ein "Erwachter"? Wie sieht
die Welt für einen "Erleuchteten" aus?
Viel Spaß beim Weiterdenken!
© Volker Dürr 2002-2009